Letzte Woche mit dem Umstieg auf Scientific Linux 6.5 auf meinem Lenovo T500 Laptop begonnen.
War früher Ubuntu 10.04 Benutzer und mit Ubuntu 10.04 auch außerordentlich zufrieden. Gnome 2 ist eine sehr gut benutzbare, übersichtliche und mit zahlreichen nützlichen Features ausgestattete Desktopumgebung.
Meinen Desktop zuhause hatte ich vor einiger Zeit auf 12.04LTS upgedated. War sehr enttäuscht und verärgert über Unity und die dadurch verringerte Usability. Kurzfristig dort auf Kubuntu, dann auch auf Xubuntu gewechselt. Auch Xubuntu war nicht überzeugend: Das System war träge, Öffnen eines Terminalfensters dauerte ewig und es gab nicht mal die Möglichkeit im Dateiexplorer einen remote-Server per ssh oder sftp anzusprechen und grafisch Dateien zu kopieren oder zu löschen. (Da ich so meine Webseiten verwalte, ein extremer Minuspunkt).
Mittlerweile bin ich auf diesem Desktop wieder zu Ubuntu pur, aber mit Gnome-Fallback gewechselt. Es läuft so einigermaßen, aber es stellen sich auch Dinge ein, die man eigentlich nur von Windows kennt: Fenster öffnen sich, berichten über Versagen einer Systemkomponente und bitten einen Bericht an Canonical schicken zu dürfen. Nicht nur im Desktop ist man also Microsoft und Apple auf den Fersen…
Doch nun zu einer besseren Welt:
Nach langem Zögern habe ich mich entschieden, meinen Laptop doch auf Scientific Linux umstellen. Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich ja (leider) an die Bequemlichkeit von Ubuntu überall in gut gepflegten Wikis und Foren schnell brauchbare Antworten und Hilfen für Alltagsaufgaben der Systemadministration zu finden. Bei SL findet man zwar auch das ein oder andere, außerdem kann man ja die Handbücher zu RHEL auf deren Website lesen, aber man landet eben immer öfter bei RTFM. Außerdem befürchtete ich schon größere Komplikationen beim reinen Installationsprozeß, und war allgemein von einer großen Unsicherheit über das System geplagt. Doch das legte sich, als ich auf der Wikipedia-Seite die vertraute Gnome-Oberfläche sah und auf verschiedenen Youtube-Videos sowohl die Installation, als auch gewisse elementare Operationen auf der Oberfläche sehen konnte.
Also beschloß ich Nägel mit Köpfen zu machen:
1) Neue Festplatte (1TB) für den Laptop bestellt.
2) Alle Daten in /home/juergen des Laptops auf meinem WD-MyBook gesichert. Außerdem /opt gesichert und zum schnellen Zugriff noch die wichtigsten Daten aus /home/juergen auf einen TOSHIBA USB Stick (16GB).
3) SL 6.5 (neueste zur Zeit verfügbare Version) als LiveDVD ISO-Image heruntergeladen, verifiziert und gebrannt.
4) Ein erster Live-DVD-Test: Das System überzeugte gleich von der Optik her, einer Installation stand nur noch der Einbau der neuen Festplatte im Wege
5) Videos über Festplattentausch bei Lenovo T500 bei Youtube gefunden und angesehen.
6) Festplatten getauscht
7) Partitionsschema überlegt
8) SL6.5 LiveDVD im Modus ‚Install‘ gebootet. Partitionsschema ließ sich unkompliziert festlegen, Netzwerk automatisch richtig erkannt, auch sonst bei den üblichen Kandidaten alles bestens: Grafikkarte, (Funk-)Maus, alles ok.
9) Einen User ‚juergen‘ angelegt und eingeloggt.
Nun kam die Detailarbeit
0) Den Nautilus so umgestellt, wie er auf Ubuntu war: Kein neues Fenster für neue Dateiumgebung, Orte-Leiste am linken Rand.
1) Mit dem Backup der Bookmarks den neuen Firefox gefüttert. Lief von Anfang an perfekt, auch mit Youtube-Zugriff und dynamischem HTML z.B. auf der Shredderchess-Seite.
2) Thunderbird ebenfalls mit seinem Backup-Profil gefüttert: Alle Daten korrekt übernommen.
3) Mit yum vertraut gemacht. Mit visudo mich als sudoer eingetragen (eigentlich nicht „the RHEL way“, aber ich wollte nicht darauf verzichten)
4) Den für mich unverzichtbaren Editor ’nedit‘ mit dem ich meine TeX-Sourcen für meine mathematischen Texte schreibe erst als Binary geladen (funktionierte nicht) und dann nochmal aus den Quellen gebaut. Einige Hürden, man mußte noch einige Libraries dazulinken, die damals noch nicht vorgesehen waren, aber dann: Success!
5) Maple 14 von DVD installiert. Leider offenbar noch kein DVD Automount – was solls, dann wird eben von Hand gemountet. Aktivierungsschlüssel aus der alten Mail herausgekramt: Installiert und aktiviert ohne Probleme! Auch ein abschließender Test mit implicitplot3d und ein wenig Rechnerei erfolgreich.
6) Für Macaulay2 ist wohl kein Binary für SL 6.5 erhältlich, also aus den Quellen bauen. Ist mir sowieso lieber, denn die wollte ich sowieso schon immer auch gegebenenfalls lesen können. Der Anleitung bei github gefolgt: ‚configure‘ ging mit kleiner Modifikation, ‚make‘ ging ganz, aber ‚make check‘ blieb an einer falsch gezogenen statischen Library libgmp hängen. Ich meldete das auf google Groups ‚Macaulay2‘ und bekam keine 15 Minuten später von Daniel Grayson persönlich eine Erklärung für den Fehler und einen checkout Stand für git übermittelt. Damit ließ sich der Build abschließen.
Dann noch setup() und setupEmacs() im M2 ausgeführt und das Thema Macaulay2 war erledigt.
6a) Vor dem Bauen mußte ich noch, wie auch in der Anleitung angegeben, das devtoolset-2 vom CERN herunterladen und aktivieren. Lief komplett ohne Probleme, ich benutzte gcc 4.8.2 und habe auch eine moderne Eclipse (Kepler) mit CDT für die C/C++ Entwicklung.
7) Als kleines Intermezzo die Shellvariable PS1 im .bashrc so gesetzt, daß der Stil des Prompts dem von Ubuntu gewohnten gleicht (voller Pfadname).
8) Dann texlive-Installation angegangen. Recherchiert um sicher zu gehen, daß man das Installationsskript wirklich nicht als root starten braucht und daß umask 0002 eine gute Wahl bei der Installation ist. Dann noch die benötigen perl-Tk-xxxx Packages für eine -gui Installation installiert. Mußte dafür noch yum-priorities installieren, dann das EPEL repository per Paketmanager (GUI) einbinden und dann noch von Hand Prioritäten vergeben. Habe mich dabei an den Vorschlag aus dem Internet gehalten. Aus dem EPEL Repository dann die Perl-Sachen geladen und die TeXLive Installation gestartet. Da ich nicht am Plattenplatz sparen muß, habe ich die komplette vorgeschlagene Konfiguration genommen (alles außer Windows-Spezifisches). Nach 45 Minuten war alles heruntergeladen und installiert, noch die Pfade in .bashrc anpassen und dann der erste Test mit meinem Buch als Testprojekt: Leider erstmal Fehler, das Paket tikz machte Probleme, aber im Internet fand sich schnell die Lösung: \usepackage{etex}. Danach: Alles (soweit man das beurteilen kann) korrekt übersetzt. Ergebnis: TeX läuft!
9) Noch ein bißchen geschaut was an Software erhältlich ist: Sogar wxmaxima und maxima sind aus EPEL verfügbar, MP3s kann ich abspielen, nur acroread ist noch zu installieren. Außerdem noch volle autocompletion (auch für make) aktiviert.
Das war von Montag bis Samstag nacht, am Sonntag dann den Computer und mich selbst ruhen lassen und Bilanz gezogen: Erstmal Zufriedenheit über ein stabiles, mit klassischem Gnome2 ausgestattetes, mindestens bis 2017 unterstütztes System, das auch von der Optik her sehr gelungen ist (obwohl das nicht so sehr ein Argument sein sollte, ist ein gefälliges Design doch einem ungefälligen vorzuziehen und sehr oft auch der äußere Anzeiger für ein ebenso solides Innenleben).
Meine ganzen Links, die ich bei der Installation nach und nach benutzt habe (muß noch ein Skript schreiben um sie in anklickbare Links zu verwandeln):
Scientific Linux
Installation
https://access.redhat.com/site/documentation/en-US/Red_Hat_Enterprise_Linux/6/html/Installation_Guide/index.html
http://optics.csufresno.edu/~kriehn/fedora/fedora_files/f11/installation/partitions.html
http://content.hccfl.edu/pollock/aunix1/partitioning.htm
http://linux.t-tietz.de/Scientific_Linux_6_Installation
http://astr.tohoku.ac.jp/~akhlaghi/newlinux.html
nedit
https://bugzilla.redhat.com/show_bug.cgi?id=199770
Admin Tips
Automount
https://access.redhat.com/site/documentation/en-US/Red_Hat_Enterprise_Linux/6/html/Storage_Administration_Guide/s2-nfs-config-autofs.html
Repositories
http://www.dedoimedo.com/computers/scientific-linux-repos.html
Autocompletion
DNF/YUM Autocomplete (package names/commands) on Fedora/CentOS/RHEL
http://unix.stackexchange.com/questions/21135/package-bash-completion-missing-from-yum-in-centos-6
http://wiki.centos.org/TipsAndTricks/CustomizeBash
https://access.redhat.com/site/documentation/en-US/JBoss_Enterprise_Web_Platform/5/html/Installation_Guide/sect-
use_alternatives_to_set_default_JDK.html
http://www.lamolabs.org/blog/5562/5-minute-guide-to-using-the-alternatives-command-on-fedoracentosrhel/
https://www.mail-archive.com/scientific-linux-users@listserv.fnal.gov/msg11393.html
http://www.dedoimedo.com/computers/scientific-linux-pimp.html
Sudo on CentOS / Scientific Linux / RHEL
Install Adobe Reader on Fedora 30/29, CentOS/RHEL 7.6/6.10
Python
Python
yum
https://doc.itc.rwth-aachen.de/display/LIN/Konfiguration+von+Updates+unter+Scientific+Linux
http://yum.baseurl.org/
http://yum.baseurl.org/wiki/Faq
TeX
http://scientificlinuxforum.org/index.php?act=Search&CODE=show&searchid=d32a0c4942ba70041b5ecc230080180a&result_type=topics&hl=texlive&f=&u=
http://scientificlinuxforum.org/index.php?showtopic=1487&hl=texlive
http://www.tug.org/texlive/doc/texlive-en/texlive-en.html#x1-300003.4
scl / devtoolset
http://scientificlinuxforum.org/index.php?showtopic=2390
http://www.h-online.com/open/news/item/Red-Hat-betas-web-developer-tool-collection-1884019.html
http://linux.web.cern.ch/linux/devtoolset/
http://www.redhat.com/developerexchange/DevExchange_bring_order_into_your_packaging_madness_with_software_collections-mmaslano.pdf
M2
https://github.com/Macaulay2/M2/blob/master/M2/INSTALL
General
https://www.scientificlinux.org/
http://scientificlinuxforum.org/index.php?s=8b618d7427a7082f552dfa955a4f5705&act=SC&c=5
http://www.scientificlinux.org/documentation/faq/yum.apt.repo